Margin Call – der große Crash der FX Investment Institute S.A.

 

Statt ihrer gewohnten Gewinn-Mitteilung von monatlich fünf oder sechs Prozent erhielten gestern die Devisentrader von ihrem Broker FX Investment Institute S.A. aus Panama City zum bevorstehenden vierjährigen Firmenjubiläum am 2. November 2013 völlig überraschend die schlimmste Nachricht, die man als Trader von seinem Broker überhaupt bekommen kann: den Margin Call – den großen Crash.

Zwischen 1.000 und 150.000 Euro haben etliche Freizeittrader in den vergangenen vier Jahren bei dem angeblichen Profi-Broker aus Panama auf dessen Konto bei der Loyal Bank in Kingstown auf Sankt Vincent und den Grenadinen überwiesen.

Nur zehn Prozent der Kundensummen sollten zum Zocken verwendet werden. Die Broker würden das Geschäft mit einem Verhältnis von 50:1 hebeln. Das heißt, wenn der Kunde 100.000 Euro überwies, wurden nur 10.000 Euro davon real eingesetzt, gewettet wurde aber durch den Hebel mit 500.000 Euro.

Auf dem Papier sah das für die Anleger bislang sehr attraktiv aus. Bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 25 Prozent ergab das beispielsweise auf die am Markt bewegten 500.000 Euro einen Gewinn von 125.000 Euro, der gemessen an der ursprünglichen Investition von 100.000 Euro 125 Prozent entsprach. Zudem sollte mit Hilfe fortlaufender Reinvestition der Gewinne die Rendite entsprechend gesteigert werden.

Doch heute teilte ein Unternehmer und Anleger aus Dachau in Bayern dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net mit: „Ein angeblicher Hackerangriff habe die Konten leergeräumt. Ich bitte um Hinweise beziehungsweise Möglichkeiten, es gibt viele Geschädigte.“

Während auf der Homepage des FX Investment Institutes nach wie vor eine Performance von 30,9 Prozent beim Day-Trading seit Jahresbeginn steht und wohl Anleger zum Investieren verleiten soll, wurde den Altanlegern in persönlichen Mails ein Minus-Kontostand mitgeteilt.

Das FX Investment Institute S.A. schrieb am 30. Oktober 2013 und damit kurz vor Monatsende, dem Termin für weitere Auszahlungen:

Zitat:

Tatsächlich aufgrund einer mehrfachen Hackerattacke mussten wir gestern einen folgenschweren Margin Call erleiden.

Leider ging hierdurch ein negativer Kontosaldo hervor. Aufgrund der begrenzten Risiken, die wir Anlegern garantieren, besteht jedoch keine Nachschusspflicht.

Wir bedauern den Vorfall sehr. Auch wenn es uns nicht möglich ist, die gestern erfahrenen Hackerattacken ungeschehen zu machen, ist es dennoch unser Bestreben die hierdurch entstandenen Verluste eines jeden Einzelnen in absehbarer Zeit ausgleichen zu können.

Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, die gesamten Rücklagen des Unternehmens aufzuwenden, um eine Basis dafür zu schaffen.

Dieser Zuschuss kann leider nicht mehr als annähernd ein Prozent des vorangegangenen Kontostands betragen. Auch wenn dieser Zuschuss für jeden Einzelnen äußerst gering erscheinen mag, bezogen auf alle Konten entspricht das einer beträchtlichen Summe, mit der wir dazu beitragen, den Schaden (wenn auch in ferner Zukunft) wieder gutzumachen.

Wir waren den Hackerattacken, die wir in dem Ausmaß bislang noch nicht erfahren haben, hilflos ausgeliefert. Neue Sicherheitsvorkehrungen wurden eingeleitet.

Der Handel wird aufgrund des Margin Calls bis einschließlich 31. Oktober 2013 ausgesetzt. In der Zwischenzeit werden wir unsere Tradingstrategien einer Handelsmodifizierung unterziehen und am 01. November 2013 mit einem Neustart beginnen.

Wir bedauern Ihnen zum 4jährigen Jubiläum nichts Erfreulicheres mitteilen zu können. Lassen Sie uns nach vorne blicken. Sie können weiterhin auf uns zählen.

Mit freundlichen Grüßen

Viktor Senn
Team Trading
FX Investment Institute

Auf gut Deutsch: Die alten Einlagen wurden von einem Hacker gestohlen. Wer wieder beim Devisen-Handel einsteigen will, müsse wieder von vorn anfangen.

Die Legende von einem Hackerangriff und einem Abräumen der Kunden-Accounts erscheint wenig plausibel.

Die Internetseite des Brokers war gar nicht gestört. Auch gebe es gar keine Anzeige gegen einen Hacker. Und am Devisenmarkt hatte es keine Handelsausschläge gegeben, die die Darstellung stützen könnten.

Außerdem waren doch laut Geschäftsbedingungen nur zehn Prozent der eingezahlten Gelder im Umlauf und dazu noch auf Konten verschiedenster Broker. Deshalb hätten ja die Kunden auch 15 Bearbeitungstage warten müssen, ehe sie ihre Gewinne von den Brokern überwiesen bekommen konnten, wie das FX Investment Institute in den „Häufig gestellten Fragen“ erläutert.

Zur Sicherheit der Einlagen wird dort vom FX Investment Institute festgestellt:

Zitat:

Bezüglich der grundlegenden Kapitalsicherheit bestehen keine substanziellen Risiken. Der Handel erfolgt ausschließlich bei regulierten Brokern, deren Orderausführung und Kursstellung über mehrere Großbanken in Kombination erfolgen.

[…]

Da diese Broker jedoch einzig als Zwischenglied zur orderausführenden Bank agieren, können jegliche Risiken seitens der Broker ausgeschlossen werden. Allein wenn eine der orderausführenden Großbanken in Konkurs gehen sollte, was nahezu unmöglich ist, würde das nicht mehr als einen Teil der laufenden Transaktionen betreffen. Da wir zudem das Kundenvermögen strikt getrennt vom Firmenvermögen verwahren, können ausgehend vom Unternehmen selbst, gänzlich jegliche Risiken ausgeschlossen werden.

Einige betroffene Anleger machen ihrem Ärger öffentlich Luft, vermuten einen Finanzbetrug in Form eines Schneeballsystems. Möglicherweise habe es gar keinen echten Handel gegeben und Auszahlungen seien von neuen Einzahlungen bezahlt worden.

Manche Abrechnungen seien nicht stimmig gewesen. Ein Anleger wunderte sich:

>>> gomopa.net

~ von cafe4eck - November 1, 2013.

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